Beteiligung von BioConsult an einer Studie vom NABU, die aufzeigen soll, wie eine naturverträgliche Standortwahl bei Offshore-Ausbau gelingen kann. (Juni 2023)

Vor dem Hintergrund des geplanten Ausbaus der Offshore-Windenergie auf perspektivisch 70 GW und der Fortschreibungen des Flächenentwicklungsplans im Jahr 2022 und Folgejahren sollte die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) nach einem transparenten Vorgehen dahingehend bewertet werden, auf welchen Flächen eine Offshore-Windenergienutzung weitgehend naturverträglich möglich ist, ggf. unter bestimmten Voraussetzungen. Durch ein „Ampel-Ranking", in dessen Ergebnis die AWZ als Mosaik aus roten, gelben und grünen Teilflächen dargestellt wird, sollten zum einen geplante Offshore-Windpark-Flächen bewertet werden, um eine Priorisierung für den Ausbau zu ermöglichen und Naturschutzkonflikte aufzuzeigen, zum anderen mögliche Alternativflächen identifiziert werden. Die Studie verdeutlicht, dass der gesetzlich vorgeschriebene Ausbau auf 70 GW weitreichende Kompromisse erfordern würde: Einerseits ist eine Bereitschaft nötig, Nutzungen neu zu ordnen, Co-Nutzungs-Konzepte zu entwickeln und umzusetzen sowie auch andere (Nicht-OWP-)Nutzungen einzuschränken bzw. deren Auswirkungen zu minimieren, um den OWP-Ausbau so naturverträglich wie möglich gestalten zu können und die Gesamtbelastung von Arten und Biotoptypen möglichst gering zu halten; andererseits müssten selbst in diesem Fall Beeinträchtigungen von Arten und Biotoptypen (insbesondere Trottellumme, Eissturmvogel und Mantelmöwe sowie Schweinswal und gefährdete Schlickgrundvorkommen nach OSPAR) in Kauf genommen werden, die bis zum Verlust bestimmter Arten führen und weitreichende Konsequenzen für die marinen Ökosysteme haben könnten. Insofern kann diese Studie einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte leisten, auf welche Weise die international verbindlich festgelegten Klimaziele – vor dem Hintergrund der gleichfalls verpflichtenden internationalen Ziele zum Biodiversitätsschutz – erreicht werden können und wie die hierfür notwendige Energiewende gestaltet werden sollte. Die Studie verdeutlicht, dass die Ausrichtung des Offshore-Ausbaus auf möglichst weitgehende Naturverträglichkeit unter Berücksichtigung des Ökosystem-Ansatzes folgende Schritte erfordert: eine Anpassung der geplanten OWP-Flächenkulisse (d.h. die Neuordnung von Nutzungen sowie Erarbeitung und Umsetzung von Co-Nutzungs-Konzepten), eine umfassende Verträglichkeitsprüfung der Einzelflächen, die Umsetzung weitreichender Minderungsmaßnahmen und deren Optimierung sowie die Entwicklung weiterer Minderungsmaßnahmen (v.a. für die Betriebsphase).
Allgemein verständliche Darstellung für die interessierte Öffentlichkeit auf der Homepage des NABU.

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